Der Einzelhandel gehört nach wie vor zu den ausbildungsstärksten Branchen in Deutschland. Eine aktuelle Umfrage zeigt jedoch: Nicht fehlende Bereitschaft, sondern wachsende strukturelle Belastungen und ein Mangel an geeigneten Bewerbern setzen die betriebliche Ausbildungspraxis zunehmend unter Druck.

Ausbildungsbereitschaft hoch – Besetzung schwierig
Ausbildung hat in den Betrieben des Einzelhandels einen festen Stellenwert. Über 90 Prozent der im Rahmen einer aktuellen Umfrage befragten Unternehmen betrachten die Ausbildung als unverzichtbar für die eigene Nachwuchssicherung und als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Gleichzeitig berichten 63 Prozent der Betriebe von erheblichen Schwierigkeiten bei der Gewinnung geeigneter Auszubildender.

Die Lücke zwischen angebotenen und tatsächlich besetzten Ausbildungsplätzen ist entsprechend groß: Im Ausbildungsjahr 2025 konnten lediglich gut ein Viertel der befragten Betriebe alle ihre Ausbildungsplätze besetzen. Mehr als ein Drittel der Unternehmen konnte trotz bestehender Ausbildungsbereitschaft keinen einzigen Platz vergeben.
 
Passungsprobleme am Übergang Schule – Ausbildung
Ein zentrales Problem liegt in der Qualität der eingehenden Bewerbungen: Die Mehrheit der befragten Unternehmen zeigt sich damit unzufrieden oder nur eingeschränkt zufrieden. Aus Sicht der Betriebe weisen Bewerberinnen und Bewerber häufig Defizite bei grundlegenden Kompetenzen auf, die für einen erfolgreichen Ausbildungseinstieg notwendig sind. Hinzu kommen mangelnde berufliche Orientierung und unrealistische Vorstellungen vom Ausbildungsberuf. Unzureichende schulische Qualifikation und falsche Berufserwartungen werden als mit Abstand größte Hemmnisse bei der Stellenbesetzung genannt – deutlich vor Kosten- oder Konjunkturfaktoren.
 
Integrationsleistung und Übernahmebereitschaft

Trotz dieser Herausforderungen erbringt die Branche eine beachtliche Integrationsleistung: Fast jedes fünfte befragte Unternehmen (18,5 Prozent) spricht gezielt junge Menschen mit Migrationshintergrund an, um sie für eine Ausbildung zu gewinnen. Die Umfrageergebnisse zeigen zudem, dass die Bereitschaft zur Übernahme nach der Ausbildung eng damit zusammenhängt, wie stabil und durchgängig die Ausbildung verlaufen konnte. Wo Bewerberqualität, Ausbildungsabbrüche und wirtschaftliche Unsicherheit zunehmen, sinkt auch die Übernahmequote.

Die Umfrage wurde vom HDE im März und April 2026 durchgeführt. Insgesamt nahmen 276 Handelsunternehmen aus ganz Deutschland teil. Weitere Informationen: einzelhandel.de/15164
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