„Es ist sehr zu begrüßen, dass nun Buchhändler, Blumengeschäfte und Gartenfachbetriebe wieder öffnen dürfen. Aber für die Unternehmen, die jetzt weiterhin geschlossen bleiben müssen, bleibt natürlich völlig unverständlich, warum nicht auch sie öffnen dürfen, obwohl das Einkaufen im gesamten Handel sicher ist. Das wird die Wut und die Enttäuschung vieler Händler noch steigern“, so Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Nordwest.

Nach Ansicht des Verbandes bietet eine Öffnung ab einem 7-Tage-Inzidenzwert von 50 und niedriger an vielen Orten im Nordwesten keine Perspektive, denn es sei unklar, wann diese Werte mancherorts erreicht werden können. Dass das pauschale Festhalten allein an Inzidenzwerten in dieser Frage falsch sei, habe der Handelsverband immer wieder betont.

Einkaufstourismus dürfte steigen

Niedersachsen und Bremen sollten aber nun unbedingt von der Möglichkeit regionaler Öffnungen Gebrauch machen und sich für das weitere Vorgehen in jedem Fall absprechen, um wenigstens dort dem Handel eine Perspektive zu geben, wo die Inzidenzwerte unter 50 liegen. „Dies wird allerdings voraussichtlich auch zu einem erhöhten Einkaufstourismus zwischen den Landkreisen in Niedersachsen und zwischen Niedersachsen und dem Land Bremen bzw. seinen Nachbarländern insgesamt führen“, erläutert Jan König weiter.

In der Praxis bedeutet dies, dass die Kunden aus einer Region, in der der Inzidenzwert über 50 liegt, den Handel dort nutzen würden, wo die Geschäfte wieder ohne Anmeldezwang geöffnet sind, anstatt auf das aufwändigere „Click & Meet“ im eigenen Landkreis zurückzugreifen. „Click & Meet“ könne aber nach Ansicht des Handelsverbandes Nordwest genauso wie bisher „Click & Collect“ für die Händler sowieso nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.  

„Click & Meet“ bereits jetzt überholt

Das bereits in dieser Woche beschlossene Bremer „Click & Meet“-Modell weiche von dem nun geplanten, bundeseinheitlichen Modell insofern ab, als dass zum einen grundsätzlich keine Inzidenzwerte eine Rolle spielen und zum anderen auch mehr Kunden pro Geschäft empfangen werden können. „Die Bremer Lösung ist eigentlich gut. Sie kommt aber nun wegen des drohenden Einkaufstourismus wohl zu spät“, so König. „Wir haben die Landesregierungen in Niedersachsen und Bremen auf diese Möglichkeit des Einkaufens nach Terminvergabe schon vor Wochen hingewiesen und dieses Konzept hätte längst eingeführt werden können als es noch Sinn gemacht hätte.“ so König abschließend.