Gemeinsame Stellungnahme der Handelskammer Bremen, des Handelsverband Nordwest, der City Initiative Bremen sowie des DEHOGA Bremen als Innenstadtwirtschaft zur aktuellen Diskussion über eine „autofreie Innenstadt“:

 

Im Mittelpunkt allen Handelns müssen die Steigerung der Aufenthaltsqualität und die Sicherstellung einer guten Erreichbarkeit stehen.

Überwiegend getragen durch größere private Bauprojekte besteht für die Bremer City die große Chance, sich aus einer starken Mitte heraus neu zu entwickeln: Weltkulturerbe und neue Han-delserlebnisse ideal zu verbinden und damit das Oberzentrum Bremen nachhaltig zu stärken. Über neue Impulse für Urbanität, Platz- und Straßenraumgestaltung, Wohnen, Gastronomie, Kultur und weitere attraktive Nutzungsmischungen können die Aufenthaltsqualität in der Bremer City nachhaltig verbessert, die Fußgängerzone ausgeweitet und weitere Rundläufe geschaffen werden.

Diesem Leitgedanken folgend fordert die Innenstadtwirtschaft bereits seit längerem, den motorisierten Individualverkehr im Kernbereich der Altstadt zwischen Wall und Martinistraße neu zu organisieren und insbesondere die drei Eingangssituationen in die Fußgängerzone

1. Domsheide und Balgebrückstraße,
2. Schüsselkorb und Sögestraße sowie
3. Knochenhauerstraße/Wegesende/Spitzenkiel,

passantenfreundlicher zu gestalten.

Wichtig aus Sicht der Innenstadtwirtschaft ist die grundsätzliche Erreichbarkeit der City mit allen Verkehrsträgern sowie insbesondere auch der Altstadt-Parkhäuser für auf die Nutzung des Pkw angewiesene Besucher aus entfernteren Stadtteilen und dem Umland. Hotellerie und Gastronomie sind auch am späten Abend auf eine solche Erreichbarkeit angewiesen. Zudem sind die Belange älterer sowie mobilitätseingeschränkter Innenstadtbesucher zu berücksichtigen. Im Gesamtkontext sind massive Anstrengungen für eine Attraktivierung des innenstadtorientierten ÖPNV einschließlich der Regio-S-Bahn erforderlich. Bremen hat z.B. im Vergleich zu Hannover eine deutlich schlechtere Erreichbarkeit mit dem ÖPNV aus dem näheren Umland. Die Handelskammer hat bereits zu Jahresbeginn konkrete Vorschläge für einen attraktiveren City-ÖPNV gemacht. Hierzu gehört u.a. auch der kostenlose Nahverkehr im gesamten Innenstadtbereich.

Politik und Verwaltung müssen in einem konsensualen Prozess zeitnah ein stimmiges Gesamtmobilitätskonzept für die Bremer Innenstadt entwickeln, welches dann auch unmittelbar in die Umsetzung gelangt.

Dieses muss die folgenden Maßnahmen enthalten:

  1. Bremen ist eine Fahrradstadt! Die Infrastruktur entspricht nicht diesem Anspruch, daher sind der Ausbau und der Neubau von Radwegen (u.a. Wallring) in einer ausreichenden Breite sowie die Schaffung großzügiger (unterirdischer und für Nutzer einer Mobilitäts-karte bzw. eines Umweltverbundtickets kostenlose) Fahrrad-Stellplatzanlagen (z.B. Domshof-Bunker und frühere Brill-Unterführung) nötig.
  2. Der Bau neuer Parkgaragen am Altstadtrand als Ersatz für die fortfallenden Angebote im Bereich Parkhaus-Mitte und Katharina / Umsetzung Parkhauskonzept.
  3. Verlegung der Straßenbahn aus der Obern- in die Martinistraße (Gleisbau, städtebauli-che Aufwertung der Martinistraße einschließlich Querungserleichterungen und Optimie-rung der Einfahrtsituation Langenstraße/Parkhaus Pressehaus) und damit verbunden eine Aufwertung der Obernstraße durch Neupflasterung, Straßenmöblierung und Begrü-nung.
  4. Die Umgestaltung der Domsheide bzw. der Balgebrückstraße muss neben einer Opti-mierung der ÖPNV-Situation die Sichtbarkeit und Erreichbarkeit des Schnoors verbes-sern und gleichzeitig die leistungsfähige Querungmöglichkeit für den Radverkehr enthal-ten.
  5. Aufwertung des Domshofs (Platzgestaltung und Wochenmarkt).
  6. Umbau der Knochenhauerstraße und Umbau der Carl-Ronning-Straße, exemplarisch kann hier eine bessere Begrünung und wertigeres Stadtmobiliar für eine höhere Aufenthaltsqualität Verwendung finden.
  7. Aufwertung des Wall-Boulevards/Einbau von Querungshilfen und Umbau der Fuß- und Radwege Am Wall/Gastronomie in den Wallanlagen sowie eine deutliche bessere Anbindung des Wallboulevards an das Passagenviertel über eine Aufwertung der Museumstraße.
  8. Aufwertung Pieperstraße, Papenstraße und Hanseatenhof, z.B. über Neuanlage des Spielplatzes Hanseatenhof/ Papenstraße und Anbindung des zukünftigen „Lebendigen Hauses“ an die innerstädtischen Rundläufe.
  9. Sanierung des ersten Straßenabschnitts „Fedelhören“ und engere Verzahnung der Bereiche Am Wall, Fedelhören und „Viertel“.
  10. Ein innovatives flankierendes Baustellenmarketing in einer abgestimmten gemeinschaftlichen Projektträgerschaft erzeugt Verständnis für die Maßnahmen, macht Lust auf Veränderung und erzeugt ein Wir-Gefühl.

Die Bremer Innenstadtwirtschaft geht fest davon aus, dass die wichtige und notwendige Umgestaltung des Stadtzentrums gelingen wird. Der Senat ist aufgefordert, sowohl der Vielzahl der im Raum stehenden privaten Bauvorhaben entschlossen den Weg zu bereiten, als auch durch öffentliche Begleitinvestitionen das städtebauliche Gesamtgefüge der Bremer Innenstadt zu stärken. Hierfür sind rechtzeitig ausreichende Haushaltsmittel und auch bereits in den beiden kommenden Haushaltsjahren zu sichern.

Bremen, 18. September 2019

Verantwortlich: Dr. Stefan Offenhäuser
Pressekontakt: Christiane Weiß
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